AG Frankfurt Hochzeitsdebakel: Wer zahlt für falsch ausgeschenkte Getränke?

Die Hochzeit soll für viele der schönste Tag im Lebens werden: Eine romantische Zeremonie, gefolgt von einer langen Feier mit Freunden und Familie. Hierbei wird gerne auch der ein oder andere Drink genossen, was im Nachhinein zu einer beachtlichen Rechnung führen kann. Doch wer zahlt eigentlich, wenn der Gastronom Getränke ausschenkt, die eigentlich gar nicht vorgesehen waren?

Mit dieser Frage beschäftigte sich das Amtsgericht Frankfurt am Main und kam zu dem Ergebnis, dass ein zuvor vereinbarter Ausschankplan verbindlich sein. Folglich muss ein Gastgeber nur die ausgeschenkten Getränke zahlen, die auch im Vorhinein explizit mit dem Gastronomiebetrieb vereinbart worden waren. Grund dieses Verfahrens war die Klage eines Hoteliers gegen ein frisch getrauten Ehepaar, das sich weigerte die Gesamtrechnung ihrer Veranstaltung zu begleichen.

Im Vorfeld hatten die beiden Parteien eine Getränkekostenobergrenze von 5.000€ vereinbart und per E-Mail festgehalten, welche Getränke auf der Feier angeboten werden sollte. Auf der folgenden Rechnung wurden jedoch weitere Getränke mit einem Gesamtwert von über 1.000€ aufgelistet, wodurch sich Kosten auf 5.378,00€ summierten - sprich knapp 400€ über der vereinbarten Obergrenze. Der Hotelier gewährte daher eine Gutschrift von 378€ aufgrund zu viel gebuchter Getränke.

Das Paar zahlte jedoch nur knapp 4.000€ und wollte die Kosten der zusätzlichen Posten nicht tragen. Aufgrund der im Vorhinein getroffenen Beschränkung der Getränkesorten seien alle anderen Getränke ihrer Meinung nach nicht zu vergüten. Daraufhin klagte der Veranstalter, um die Restzahlungssansprüche durchzusetzen. Er argumentierte, dass es sich teilweise um wesensgleiche und gleichpreisige Getränke gehandelt habe. Außerdem habe das Ehepaar den Ausschank der weiteren Spirituose nicht nur wahrgenommen, sondern diese auch selber konsumiert.

Das Amtsgericht gab dem Paar in seinem Urteil vom 03.09.2019 weitestgehend Recht. Die Aussage der E-Mail „Nur bestimmte Getränke würden wir abends anbieten wollen: Prosecco, rot/ weiß Wein, Bier, Wodka Red Bull, Whisky sour, Wasser, Säfte.“ sei eindeutig und die Interpretation, dass auch wesensgleiche Getränke erfasst sein sollten, nicht zugänglich. Der Servicebetreiber kann aus dem geschlossenen Vertrag zwar weitere Zahlungen verlangen, jedoch ausschließlich für tatsächlich vereinbarungsgemäß ausgeschenkte Getränkesorten. Auch wenn der Unterschied zwischen den Einzelnen im Streit stehenden Getränken gering ausfallen mag, hätte sich der Hotelbetreiber an die Getränkebeschränkung halten müssen. “Auch hier gilt: es zahlt jeder, was er bestellt.”

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Photo by Scott Warman on Unsplash